Spielsucht

September 27, 2024
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Spielsucht ist erst seit 2022 von der WHO als Suchtkrankheit anerkannt. Die Studien sind dementsprechend frisch und Langzeiterfahrungen eher selten.

Was für Symptome hat Spielsucht?

Es ist nicht ganz einfach, zwischen Leidenschaft und Sucht zu unterscheiden. Ein Paar Kriterien (oder Symptome), die auch bei anderen Suchtkrankheiten anwendbar sind und dafür sprechen, dass man abhängig geworden ist, wären:

  • Kontrollverlust: man kann den Konsum nicht mehr kontrollieren (Anfang, Ende und Dauer)
  • Steigender Konsum und Toleranzentwicklung: Man Konsumiert immer mehr, der Effekt pro Dauer/Dosis nimmt nach
  • Leiden des Soziallebens: Man geht nicht mehr raus und spielt mit anderen, hat keine richtigen Beziehungen mehr
  • Starkes Verlangen oder Zwang: Man hat ein sehr intensives Bedürfnis, das Suchtverhalten fortzusetzen
  • Leidensdruck: Man hat keinen Spass mehr mit der Tätigkeit und macht es nur noch, weil man ohne unglücklich ist
  • Entzugssymptome: Es treten körperliche und/oder psychische Symptome auf, wenn der Konsum reduziert oder eingestellt wird
  • Vernachlässigen von anderen Interessen und Pflichten: Man vernachlässigt andere Tätigkeiten, die man gerne macht oder machen sollte
  • Fortgesetzter Konsum trotz schädlicher Folgen: Man setzt das Verhalten fort, obwohl man die schädlichen Konsequenzen kennt
  • Fängt an unkontrolliert Geld im Spiel auszugeben
  • Kann zu Depression und suizidalen Gedanken führen (im Extremfall)

Oft sind nicht alle oder nur ein Paar der Symptome vorhanden. Manche sind häufiger oder kommen früher vor als Andere.

Wie entsteht eine Spielsucht?

Suchtverhalten kann genetisch veranlagt sein. Gewisse Personen werden also einfacher süchtig als andere, wobei das nicht heisst, dass jemand aus genetischen Gründen gar nicht süchtig wird. Nur manche werden einfacher über die Schwelle zur Sucht gestossen als andere. (Suchtverhalten können durch verschiedene Faktoren entstehen und das ist bei vielen Abhängigkeiten ähnlich)

Biologische Faktoren

Wenn bei einer Gewissen Tätigkeit das Belohnungssystem des Gehirns aktiviert wird, wird Dopamin freigesetzt, was zu einem Gefühl der Freude oder des «High» seins führt. Die betroffene Person will dieses Gefühl erneut spüren und die Tätigkeit wiederholen.

Psychologische Faktoren

Gewisse Persönlichkeitsmerkmale, wie Impulsivität oder geringes Selbstwertgefühl, sorgen für ein höheres Suchtrisiko. Bei Emotionen wie Stress, Angst, Traurigkeit o.Ä. kann es sein, dass es, um diesen zu entkommen, zu einer Sucht kommt. In einigen Fällen entsteht die Spielsucht als komorbide Störung.

Komorbide Störung

Eine Spielsucht kann auch als Symptom einer anderen psychologischen Störung entstehen. Das wird dann «Komorbide Störung» genannt. Die Spielsucht agiert als «Coping-Mechanismus», wenn man im Gaming einen Ausweg findet, um nicht die Probleme der anderen Störung (z.B. Trauma, Depression u.Ä) zu konfrontieren. Deswegen hilft es wenig, wenn man nur die Spielsucht behandelt, denn um das grundliegende Problem soll sich gekümmert werden. Es kann sonst passieren, dass man ein anderes Suchtverhalten sucht, um mit der ursprünglichen Störung umzugehen.

Soziale Faktoren

Auch das Umfeld, in welchem man Lebt, hat Einfluss auf das Suchtrisiko. Wenn man im Umfeld viele Freunde hat, die Drogen konsumieren, ins Casino gehen oder viel Computerspiele spielen, dann wird das Verhalten als akzeptabel gewertet. Das Suchtrisiko  wird also durch «Peer-Pressure» (Gruppenzwang) höher. Wenn jedoch Freunde und Eltern einen warnen, nie Drogen zu nehmen und man aufgeklärt wird, wie schädlich es ist, dann kann das Suchtrisiko wesentlich kleiner sein.

Risikogruppen

Grundsätzlich sind Jungen und Mädchen gleich gefährdet, jedoch werden Videospiele immer noch mehr von Jungen als von Mädchen gespielt, weswegen die Anzahl der spielsüchtigen Jungen folglich grösser ist. Bei Mädchen bleibt das Suchtverhalten häufiger unbemerkt, was gefährlich werden kann. Grundsätzlich sind Jugendliche wesentlich mehr gefährdet als Erwachsene.

Die Spiele selbst

Viele Spiele (nicht nur aber auch) F2P-Spiele verwenden die Belohnungssysteme und Bindungssysteme, um das Weiterspielen und tägliche Spielen der Spieler wahrscheinlicher zu machen. Damit wird in extremen Fällen fast eine Sucht provoziert, und in F2P-Spielen ist auch zu beobachten, dass Wale tendenziell eher süchtig werden, da sie sich durch das ausgegebene Geld nur noch an das Spiel gebunden fühlen. Da F2P-Spiele diese Mechaniken oft mehr und aggressiver einsetzen, ist das Risiko bei Spielern von diesen Spielern grösser als bei P2P-Spielen.

Spielsucht und Glücksspielsucht

Die beiden Suchten haben einiges gemeinsam, aber auch ein paar wichtige Unterschiede.

Gemeinsamkeiten

Grundsätzlich zeigen beiden Suchten ein ähnliches Verhalten, nämlich ein zwanghaftes Verlangen trotz bekannter negativer Konsequenzen und die oben genannten Symptome. Die Auswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten sind sich sehr ähnlich. Um die Sucht hervorzurufen, werden in den Spielen ähnliche Tricks angewandt.

Unterschiede

Grundsätzlich haben die Spiele merkbare Unterschiede: während Glücksspielsucht sich allein auf Slot-Maschine, Poker, Blackjack, Lotto und anderen Kasinospielen bezieht, tritt Spielsucht bei jeglicher Art von Spiel auf. Der Ablauf der beiden Suchten ist unterschiedlich, denn Spielsucht entwickelt sich nämlich meist langsamer als Glücksspielsucht. Die Folgen sind komplett unterschiedlich: Glücksspielsucht führt hauptsächlich zu finanziellen und rechtlichen Problemen, während das Resultat einer Spielsucht primär soziale und psychische Probleme mit sich zieht.

Spielsucht + Glückspielsucht

Bei Spielen in welchen Lootboxen vorhanden sind oder Gacha Games können sich beide Suchten auch vermischen, obwohl man kein Geld zurückbekommt, hat das Ziehen eines legendären Gegenstands einen sehr ähnlichen Effekt auf das Gehirn des Spielers.

Therapie und Besserung

 Manchmal ist die Sucht nicht schlimm genug, dass eine Therapie absolut notwendig ist. Es ist möglich einigermassen damit zu leben, was nicht heisst, dass es empfehlenswert ist. Wenn eine Person keine Therapie möchte, gibt es wenig was man dagegen machen kann. Zwangsmassnahmen sind nicht sonderlich zielführend, vor allem bei älteren Menschen, bei denen Kreditkarte verstecken und Bildschirmzeit begrenzen keine Option mehr ist. Trotzdem ist es sehr wichtig, dass das Angebot einer Therapie vorhanden ist. Ob die Therapie erfolgreich ist, lässt sich vereinfacht gesagt daran erkennen, dass die zutreffenden Abhängigkeitskriterien abnehmen. Wenn, wie oben erwähnt, die Spielsucht als Komorbide Störung auftritt, dann ist es notwendig sich auch um die Ursache zu kümmern.

Hier zu den Themen:

Vergleich zu Pay-to-Play Spielen – The Art of Gaming (margadant.net)

Persönlichkeiten der Spieler – The Art of Gaming (margadant.net)

Wofür gibt man in den Spielen Geld aus? – The Art of Gaming (margadant.net)

Sind F2P/P2W-Spiele Ethisch ok – The Art of Gaming (margadant.net)

Der Einfluss von Streamern und Influencern – The Art of Gaming (margadant.net)

Belohnung in Bezug auf Dopamin Ausschüttungen – The Art of Gaming (margadant.net)

Lootboxen und Gacha Games – The Art of Gaming (margadant.net)

Monetarisierungsmaschen – The Art of Gaming (margadant.net)

Wie kann man es vermeiden, Opfer dieser Monetarisierungsmaschen zu werden? – The Art of Gaming (margadant.net)

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