Beide Systeme haben in den letzten Jahren die Gaming-Welt stark geprägt und sind oft verwickelt in kontroversen Diskussionen, denn beide werden mit dem Verdacht, Glücksspielmechanismen zu imitieren und dabei besonders jüngere und dementsprechend auch naivere Spieler als Demographie anzusprechen, stark kritisiert. Der stetig steigende Austausch um Lootboxen und Gacha Games fokussiert sich vor allem auf die zentralen Fragen zur Spielethik, Konsumverhalten und möglichen Regulierungen.
Was sind Lootboxen?
Lootboxen orientieren sich am Zufallsprinzip: Der Spieler kauft sich eine Lootbox und erhaltet beim Öffnen zufällige Gegenstände, dessen Wert stark variiert. Es kann sich in ihrem Inhalt um Cosmetics handeln, welche das Aussehen von Charakteren verändern kann, manchmal aber auch um spielentscheidende Items, welche das Spielerlebnis direkt beeinflussen. Und genau diese Zufälligkeit ist der Auslöser, weshalb viele Menschen bereit sind, immer wieder Geld in dieses System zu blasen, in der Hoffnung einen seltenen oder wertvollen Gegenstand zu erhalten.
Reiz und Kritik der Lootboxen

Für eine Menge an Spielern bieten die Lootboxen eine weitere Dimension des Spielspasses dar, denn der Reiz liegt in der Spannung und Antizipation auf das, was sie in ihrer erworbenen Box erwartet. Kritiker sehen genau dies jedoch als Problem, denn die Mechanismen ahmen die des Glückspieles nach, da man als Gegenzug von Bezahlung einen zufälligen Gewinn erhält. Vor allem jüngere Konsumenten, welche noch keine Bezug zu ihrem Konsumverhalten aufgebaut haben, werden dadurch verleitet, hohe Summen auszugeben – es gibt berichte von Jugendlichen, die hunderte oder sogar tausende Groschen haben fallen lassen, um den Reiz der Lootboxen zu stillen, ohne dass ihre Erziehungsberechtigten davon Wind mit bekommen haben (hier ein guter Artikel: www.meinbezirk.at).
Was sind Gacha Games?

Das Wort «Gacha» kommt aus dem japanischen und leitet sich von «Gachapon» ab, eine Art japanischer Verkaufsautomaten für Kapselspielzeug. In einem Gacha-Spiel zieht der Spieler mit demselben Prinzip anstatt Kapseln digitale Charaktere, Items oder andere Spielgegenstände. Diese sind in der Regel wie bei den Lootboxen zufällig verteilt und der Spieler hat die Möglichkeit, diese durch den Einsatz von Spielwährung – die oft mit Echtgeld erkauft werden kann – zu erhalten.
Das Ziehen von diesen zufälligen Belohnungen wird oft als «Summoning» oder «Pulling» bezeichnet. Die Variation von Belohnungen ist verschieden und oft nach Seltenheitsstufe kategorisiert – meist mit «3-Sterne», «4-Sterne» und «5-Sterne» – Charaktere und Items, wobei 5-Sterne das Seltenste und Beste/Stärkste ist. Der Reiz wird durch das Verlangen die besonders seltenen und mächtigen Figuren oder Items zu «pullen» ausgelöst, welche das Spiel erheblich erleichtern und verbessern können. (dazu später mehr)
Die Mechanik hinter Gacha Games
Die Mechanik hinter Gacha Games ist im Grunde dieselbe wie bei den Lootboxen: Spieler investieren in In-game Währung (die aber sowohl limitiert erspielt als auch unlimitiert gekauft werden kann), um eine zufällige Auswahl an Belohnungen zu erhalten, welche in Wert und Nützlichkeit variieren

Anders ist jetzt jedoch, dass, um die Chancen auf ein bestimmtes item oder einen bestimmten Charakter zu erhöhen, man häufig viele «Pulls» machen muss, welches dazu führen kann, dass man nicht immer genug Währung erspielen kann und dem entsprechend Geld investiert wird, um die gewünschte Belohnung zu bekommen. Die meisten Gacha Games beziehen sich dazu auf eine «Pity-Mechanik», bei der nach einer bestimmten Anzahl von «Pulls» ein seltener Gegenstand garantiert wird. Dennoch kann diese Mechanik sehr hinterlistig und verkorkst sein.

Als Veranschaulichung, wie raffgierig die Pity-Mechanik ist, nehme ich mir die Drop-Rate Beschreibung von limitierten Charakteren aus Wuthering Waves. Das sogenannte «Pity-Cap», also das Maximum an Pulls die man machen muss, bis die Wahrscheinlichkeit einen 5-Stern zu bekommen 100% ist, liegt bei 80. Das Perfide ist, dass der limitierte Charakter nicht garantiert ist. Diese Gacha Games haben so genannte «Standard Charaktere» (hier: non-featured Charakters), die durchgehend erhältlich sind, jedoch oft schlechter und weniger Wert haben. Es gibt eine 50% Chance, dass du den gewünschten 5-Stern nach maximum 80 Pulls nicht bekommst, sondern einen Standard Charakter, welchen du vielleicht sogar schon hast – man nennt dies auch «ein 50/50 verlieren» (alleine bei dieser Aussage sieht man klare Züge die dem Glücksspiel ähneln). Der gewünschte featured Charakter ist danach zwar garantiert, wenn der Spieler zuerst einen non-featured Charakter bekommen hat, aber das Erspielen von Währung ist limitiert und braucht Zeit – und eben genau weil diese limitierten Charaktere nur für eine gewisse Zeit erhältlich sind, bringt eben genau diese Mechanik den Spieler dazu, sein Geld für In-Game Währung auszugeben.
Gesetzliche Reglungen
Die Kontroverse um Lootboxen und Gacha Games haben schon in verschiedenen Ländern zu rechtlichen Massnahmen geführt. In einigen wurden sie aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu Glücksspielmodellen verboten oder sehr stark eingeschränkt – in anderen Ländern wird diese Debatte jedoch noch geführt, jedoch nehmen immer mehr Regulierungsbehörden Lootboxen und Gacha Games genauer unter die Lupe.
Nicht nur das Zufallssystem steht unter Kritik, sondern auch die Transparenz, denn viele Spieleentwickler geben keine Informationen darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, einen bestimmten Gegenstand zu bekommen. China, zum Beispiel, haben bereits Regulierungen eingeführt, die die Spieleentwickler dazu zwingen, die Wahrscheinlichkeiten für die Inhalte offenzulegen.
Hier zu den Themen:
Vergleich zu Pay-to-Play Spielen – The Art of Gaming (margadant.net)
Persönlichkeiten der Spieler – The Art of Gaming (margadant.net)
Wofür gibt man in den Spielen Geld aus? – The Art of Gaming (margadant.net)
Sind F2P/P2W-Spiele Ethisch ok – The Art of Gaming (margadant.net)
Der Einfluss von Streamern und Influencern – The Art of Gaming (margadant.net)
Belohnung in Bezug auf Dopamin Ausschüttungen – The Art of Gaming (margadant.net)
Monetarisierungsmaschen – The Art of Gaming (margadant.net)
